Anstöße

Der menschliche Körper

Es war einmal ein gesunder menschlicher Körper. Obwohl es in der Vergangenheit die eine oder andere Erkrankung gegeben hatte, war nie etwas Ernstes darunter gewesen, was bleibende Schäden verursacht hätte. Und die letzte schwerere Krankheit lag schon ein paar Jahre zurück. Eines Tages entbrannte nun im menschlichen Körper eine Diskussion welcher Körperteil der Wichtigste sei.

Das Großhirn eröffnete die Debatte und erklärte: “Da ich denke und euch andere steuere bin ich am wichtigsten“.
„Und wer bringt uns alle an jeden Ort“, gaben die Beine zu bedenken. „Das sind doch wir, daher sind wir am wichtigsten.“
„Das sehen wir aber ganz anders“, entgegneten die Augen. „Da wir euch allen zeigen, wo es lang geht, ist doch klar, dass wir am wichtigsten sind“.

„Wir hören wohl nicht richtig?“ fragten die Ohren beleidigt. „Ohne uns wärt ihr doch alle taub. Wäre doch nicht das erste Mal, dass wir uns alle retten, weil ihr Augen wieder was übersehen habt.“
„Vielleicht darf ich euch daran erinnern, dass ihr alle nur arbeiten könnt, weil ich euch mit Sauerstoff versorge“, meldete sich die Lunge zu Wort.
„Pah“, schaltete sich der Magen ein. „Ihr alle vergesst dabei, dass ihr gar nichts machen könntet, wenn ich nicht die Nahrung verarbeiten und euch mit Energie versorgen würde.“ 
„Ach ja?“, warf der Mund ein. Und woher bekommst du die Nahrung? Ich muss dir doch erstmal alles vorkauen.“
„Du hast es gerade nötig“, empörten sich die Hände. „Wer schneidet Dir denn die Häppchen mundgerecht und schiebt sie dir rein, he? Das sind doch wohl wir, wir sind die wichtigsten.“
„Ich höre immer nur „rein“, knurrte der Schließmuskel. Dass rein ohne raus nicht funktioniert ist offenbar noch niemandem von euch gekommen. Ich bin der wichtigste.“ 

So ging die Debatte weiter. Über mehrere Tage meldete sich nach und nach jedes Körperteil zu Wort und betonte seine Wichtigkeit. So beschäftigt waren die Körperteile mit ihrer Diskussion, dass sie ihre eigentlichen Aufgaben völlig vergaßen. Schließlich wurde dem Großhirn schwindelig. Die Hände begannen zu zittern, die Lungen atmeten schwer und der Magen wurde von heftigen Krämpfen geschüttelt. Der Mund war vor lauter Reden trocken geworden und schließlich versagten die Beine den Dienst.

Lang ausgestreckt lag der menschliche Körper da.

„Das kommt davon, dass Ihr nicht einfach macht, was ich sage“, fauchte das Großhirn. 
„Falsch“, erwiderte der Mund, „das kommt davon, dass ich uns nicht mit Essen und Trinken versorgt habe.“ 
„Genau“, rief der Magen, „der Mund ist schuld.“
„Das stimmt ja gar nicht“, empörte sich dieser. Ich bin ja zu allem bereit, aber die Hände, die noch vor kurzem so laut getönt haben, haben keinen Nachschub geliefert.“
„Ja wie denn“, wollten die Hände schreien, aber sie waren so schwach, dass es nur zu einem leisen Hauchen reichte. „Hätten die Beine uns zu einer Nahrungsquelle gebracht, hätten wir schon was in den Mund geschoben.“ 
Und wie hätten wir das tun sollen?“, fragten die Beine „wir können ja nicht sehen“. 
„Gebt uns Energie und wir finden den Weg zu jeder Nahrungsquelle dieser Welt“, erwiderten die Augen matt.

 

Dann wurde es ruhig im Körper.

 

Aus der Stille meldete sich mit einem Mal eine leise Stimme: “Merkt ihr denn nicht, dass wir alle wichtig und voneinander abhängig sind? Dass keiner ohne den anderen bestehen kann und dass alle Debatten uns nicht weiter bringen? Nur wenn wir uns zusammenraufen und handeln, wenn jeder an seinem Platz alles tut, was er kann, nur dann kommen wir wieder auf die Füße.“ Die Körperteile wurden nachdenklich. Nur der Schließmuskel murmelte verächtlich „Ja, ja, die wir sitzen alle in einem Boot Masche“. „Ach halt die Klappe“ schnauzten der Mund den Schließmuskel an.

„Ich finde es stimmt, was unser Gewissen gesagt hat“, japsten die Lungen. „Lasst es uns versuchen“. Die anderen Körperteile nickten und mit einer übermenschlichen Anstrengung und dem unbedingten Willen aller Körperteile kam der menschliche Körper wieder auf die Beine aber es dauerte, eine Weile, bis er seine Schwächephase überwunden hatte.

 

„Wer ist denn nun der wichtigste?“, hakte der Schließmuskel ein paar Tage später nach. Die Augen verdrehten sich, dem Mund blieb die Spucke und den Lungen die Luft weg und dem Großhirn fiel im ersten Moment zu dieser Frage auch nichts mehr ein. „Ja hast du es denn immer noch nicht kapiert?“ fragten alle völlig entgeistert?

„Das zeigt aber“, meinte der Mund, „dass wir hier ein latentes Problem haben, das jederzeit wieder auftauchen kann. Wie können wir das zukünftig verhindern?“
„Wir dürfen einfach diese Geschichte nicht vergessen“, meinte das Großhirn. „Ich werde die Erinnerung aufbewahren. Aber das alleine reicht nicht. Sowie einer von uns den Eindruck hat, dass wir uns wieder mehr mit uns als dem menschlichen Körper beschäftigen, muss er Alarm schlagen.“ Alle Körperteile nickten – bis auf den Schließmuskel. Aber unter dem Druck der Mehrheit verrichtete auch er klaglos seinen Dienst. 

Und wenn sich alle an die Abmachung gehalten haben, dann geht es dem menschlichen Körper bis heute gut.

 

Quelle: Dr. Dietmar Abt

Die Kunst des Motivierens

In einer amerikanischen Kleinstadt lebte ein alter Mann. Die Stadtbewohner fanden ihn und sein Gebaren immer sehr merkwürdig und mieden ihn. Die Kinder und Jugendlichen der Stadt lauerten ihm immer wieder auf, wenn er das Haus verließ, um ihn dann zu verfolgen, zu verspotten oder zu beschimpfen. So ging es schon viele Jahre.

Eines Morgens aber, als der alte Mann zum Einkaufen ging und ihn die Jugendlichen wieder verfolgten und verhöhnten, drehte sich der Mann plötzlich um und winkte die Jugendlichen zu sich. Überrascht und etwas verunsichert zögerten diese zunächst, kamen aber schließlich von ihrer Neugierde getrieben näher. „Ihr verfolgt mich nun schon seit vielen Jahren und beschimpft mich“, sagte der alte Mann. „Aber ihr lauert mir nicht jedes Mal auf, wenn ich mein Haus verlasse und eure Beschimpfungen sind auch immer die gleichen. Ich möchte, dass ihr euch mehr anstrengt. Passt besser auf, wann ich das Haus verlasse und denkt euch neue Beschimpfungen aus, denn auf die Dauer werden die ständig gleichen Phrasen langweilig. Zur Belohnung werde ich jedem von euch zehn Cent zahlen.“

Die Jugendlichen waren völlig verwirrt. Schließlich ergriff der Anführer der Bande das Wort und spottete: „Hört euch den alten Trottel an. Jetzt will er uns bezahlen, damit wir ihn noch mehr beschimpfen.“ Und zum Alten fuhr er fort: „Das kannst du haben. Du wirst dich wundern, was wir dir alles nachrufen werden.“ Am nächsten Tag, als der Alte wieder das Haus verließ, lauerten die Jugendlichen ihm schon auf und verfolgten ihn, um ihn auf das Gemeinste zu verhöhnen und zu beschimpfen. Beim Einkaufsladen angekommen, drehte sich der Alte um, zückte seine Brieftasche und gab jedem Schreihals die versprochenen zehn Cent. „Der ist wirklich total bescheuert“, rief der Anführer. „Aber uns soll es recht sein. Warte nur, morgen werden wir dich noch ganz anders beschimpfen.“ Und so geschah es. In jeder freien Minute lungerten die Jugendlichen um das Haus des Alten herum und wenn er das Haus verließ um einzukaufen, rannten sie schreiend hinter ihm her, beschimpften ihn auf übelste Weise und erhielten am Ende jeder die zehn Cent. So ging es mehrere Wochen.

Als an einem Freitag der Alte wieder das Haus verließ, die Jugendlichen ihn wieder verfolgten und beschimpften und er den Laden erreichte, machte der Alte diesmal keine Anstalten sich umzudrehen, um die Missetäter zu bezahlen. „Eh du“, schrie der Anführer, „du musst uns noch bezahlen!“. Da drehte sich der Alte um und antwortete: „Ich habe es mir überlegt. Ich werde euch zukünftig nicht mehr dafür bezahlen, dass ihr mich verfolgt und beschimpft. Aber ich habe natürlich nichts dagegen, wenn ihr mir weiter auflauert und mich verhöhnt. Macht also ruhig weiter.“ „Du spinnst wohl“, schrie der Anführer. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir unsere Zeit vor Deinem Haus verplempern, dich verfolgen und uns die Seele aus dem Hals schreien, wenn du uns nicht dafür bezahlst!“ „Dann lasst es eben“, entgegnete der Alte und wandte sich ab. Und von da an hatte er seine Ruhe.

 Quelle: unbekannt

Responsibility

This is a story about four people named Everybody, Somebody, Anybody and Nobody.

There was an important job to be done and Everybody was sure that Somebody would do it. Anybody could have done it, but Nobody did it. Somebody got angry about it, because it was Everybody’s job. Everybody thought Anybody could do it, but Nobody realized that Everybody wouldn’t do it. It ended up that Everybody blamed Somebody when Nobody did what Anybody could have done.

Source unknown